Warum wir Körpersprache nicht erklären, sondern sichtbar machen
Wer über Körpersprache nur spricht, bleibt meist im Allgemeinen. Viele Teilnehmende nicken, wenn man ihnen sagt, dass eine offene Haltung wirkt, und stehen im nächsten Moment trotzdem mit verschränkten Armen vor der Gruppe. Das liegt nicht an mangelndem Willen. Haltung und Gestik laufen größtenteils unbewusst ab, und was man nicht sieht, kann man schwer verändern.
Deshalb arbeiten wir im Kurs mit wenigen, einfachen Mitteln, die das eigene Verhalten sichtbar machen: einem Spiegel, einer Videoaufnahme, einem Beobachtungsbogen und dem Feedback der Gruppe. Keines davon ist aufwendig. Entscheidend ist, dass sie in einer festen Reihenfolge eingesetzt werden, damit niemand mit Eindrücken überfordert wird.
In diesem Beitrag beschreibe ich, wie diese Werkzeuge zusammenspielen und worauf ich dabei als Dozentin achte.
Der Spiegel als erster, geschützter Schritt
Am Anfang steht der Spiegel, weil er das mildeste Feedback gibt. Niemand sieht zu, niemand bewertet. Die Teilnehmenden stellen sich hin, sprechen zwei, drei Sätze ihrer Selbstvorstellung und achten nur auf eine einzige Sache, zum Beispiel auf die Schultern oder auf die Hände.
Diese Beschränkung ist Absicht. Wer versucht, gleichzeitig Haltung, Mimik, Gestik und Blick zu kontrollieren, wirkt schnell steif. Ich bitte deshalb darum, pro Durchgang nur einen Punkt zu verändern und die Wirkung zu beobachten. Viele merken dabei erstmals, wie sehr sich das eigene Gefühl beim Sprechen ändert, wenn die Füße fest stehen.
Der Spiegel ersetzt keine Rückmeldung von außen, aber er nimmt die erste Scheu vor dem eigenen Bild.
- Pro Durchgang nur ein Merkmal verändern
- Kurze Texte von zwei bis drei Sätzen nutzen
- Erst beobachten, dann korrigieren
Die Videoaufnahme: das genaueste Werkzeug
Das wichtigste Hilfsmittel ist die Videoaufnahme. Jede Person hält einen kurzen Vortrag von etwa zwei Minuten, der aufgezeichnet wird. Danach sehen wir die Aufnahme gemeinsam an, zuerst ohne Ton, dann mit Ton. Ohne Ton fällt auf, was der Körper allein erzählt: wohin der Blick wandert, ob die Hände ruhen oder suchen, ob der Stand sicher ist.
Fast alle sind beim ersten Ansehen überrascht, und zwar häufig positiv. Vieles, was man als Unsicherheit empfindet, ist von außen kaum zu erkennen. Umgekehrt zeigen sich Gewohnheiten, die man selbst nie bemerkt hätte, etwa ein ständiges Gewichtverlagern oder ein Blick, der an der Decke hängt.
Die Aufnahmen bleiben bei den Teilnehmenden und dienen nur der eigenen Reflexion. Nach einigen Wochen wiederholen wir die Übung und vergleichen beide Versionen.
Beobachtungsbogen und feste Kriterien
Damit das Feedback nicht beliebig wird, nutzen wir einen einfachen Bogen mit wenigen Kriterien: Stand, Haltung des Oberkörpers, Gestik, Blickkontakt und Pausen. Zu jedem Punkt notieren die Zuschauenden, was gut gelingt und was sich ändern ließe. Formuliert wird konkret und wertschätzend, nie als Urteil über die Person.
Der Bogen hat einen zweiten Nutzen: Er schult den eigenen Blick. Wer eine Woche lang andere nach festen Kriterien beobachtet, erkennt dieselben Muster schneller an sich selbst. Das ist oft der Moment, in dem Körpersprache vom Thema zur Fähigkeit wird.
Ich ergänze am Ende jeder Runde persönlich, was mir aufgefallen ist, und nenne dabei immer zuerst das, was bereits trägt.
- Stand und Gewicht
- Hände und Gestik
- Blickkontakt zu mehreren Personen
- Pausen zwischen den Gedanken
Übungen, die sich im Alltag wiederholen lassen
Ein Kurs ersetzt keine Routine. Deshalb geben wir kleine Übungen mit, die ohne Material auskommen. Eine davon: beim nächsten Telefonat aufstehen und die Füße bewusst hüftbreit setzen. Eine andere: in einer Besprechung drei Personen nacheinander jeweils einen ganzen Gedanken lang anschauen, statt den Blick zu verteilen.
Solche Mikroübungen wirken unscheinbar, verändern aber über Wochen das Grundgefühl. Wichtig ist, sie klein zu halten und nicht gleich im wichtigsten Gespräch des Jahres zu erproben. Ich rate, mit unbedeutenden Situationen zu beginnen, etwa beim Bäcker oder in einer Teamrunde.
Gerade im Herbst, wenn der Arbeitsalltag wieder dichter wird, lässt sich dafür gut ein fester Moment im Tagesablauf finden.
Was wir bewusst nicht tun
Wir geben keine starren Regeln vor, nach denen Hände auf Bauchhöhe zu halten wären oder der Blick exakt drei Sekunden dauern müsste. Solche Formeln wirken auswendig gelernt und nehmen dem Auftritt genau das, was ihn glaubwürdig macht. Körpersprache soll zur Person und zum Anlass passen.
Ebenso verzichten wir auf Vergleiche zwischen den Teilnehmenden. Jede Videoaufnahme wird nur mit der eigenen früheren Version verglichen. Das hält den Fokus auf der persönlichen Entwicklung und schafft eine Atmosphäre, in der man Dinge ausprobieren darf, die noch nicht gelingen.
Mein Ziel als Dozentin ist nicht ein einheitlicher Auftritt, sondern ein bewusster: Sie wissen, was Ihr Körper tut, und entscheiden selbst, was Sie davon beibehalten.
Spiegel, Videoaufnahme und Beobachtungsbogen sind schlichte Werkzeuge, aber sie machen sichtbar, was sonst unbemerkt bleibt. Wer sein eigenes Auftreten kennt, kann es gezielt gestalten, ohne sich zu verstellen. Im Kurs gehen wir diesen Weg in kleinen Schritten, immer mit konkretem Feedback und ohne Druck. Wenn Sie wissen möchten, wie das im Einzelnen abläuft, finden Sie die Inhalte auf der Seite zu den Kursinhalten.



