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Körpersprache

Wenn die Hände mitreden: Wie Daniel seine Haltung neu entdeckte

Ein Teilnehmer, der in Besprechungen die Arme verschränkte und zu Boden sah, erzählt, was Videoübungen zu Haltung, Gestik und Blickkontakt bei ihm verändert haben.

Katharina Brandt

4 Minuten Lesezeit

Wenn die Hände mitreden: Wie Daniel seine Haltung neu entdeckte

Ein Teilnehmer und seine erste Sorge

Daniel kam im Spätsommer in unseren Kurs, Mitte vierzig, Abteilungsleiter in einem mittelständischen Betrieb. Er sprach fachlich sicher, das sagte jeder über ihn. Und doch hatte er nach einer Rückmeldung seiner Vorgesetzten das Gefühl, in Besprechungen nicht so anzukommen, wie er es sich wünschte. Er beschrieb es in unserem ersten Gespräch ganz nüchtern: Seine Argumente seien gut, aber irgendetwas an seinem Auftreten lasse die Zuhörer zögern.

Wir haben nicht sofort über Technik gesprochen. Zuerst wollte ich verstehen, in welchen Situationen sich Daniel unwohl fühlt. Es waren vor allem drei: wenn er stand und andere saßen, wenn Rückfragen kamen und wenn er etwas vorstellen sollte, das noch nicht ganz ausgereift war. In genau diesen Momenten, so erzählte er, wisse er oft nicht, wohin mit den Händen. Das ist ein sehr häufiger Ausgangspunkt, und er ist ein guter, weil er sich konkret üben lässt.

Was die Videoaufnahme sichtbar machte

In der dritten Sitzung nahmen wir Daniel zum ersten Mal auf, bei einer kurzen Vorstellung seines Arbeitsbereichs. Er rechnete mit dem Schlimmsten. Beim gemeinsamen Ansehen zeigte sich aber etwas Unerwartetes: Seine Stimme und sein Aufbau wirkten ruhig, doch seine Arme waren fast durchgehend vor dem Oberkörper verschränkt oder hielten die Moderationskarten wie einen Schutzschild.

Außerdem wanderte sein Blick beim Sprechen immer wieder zur Decke oder zum Boden, besonders am Satzende. Daniel selbst war überrascht. Er hatte sich als zugewandt erlebt, die Aufnahme zeigte ein anderes Bild. Gerade deshalb arbeiten wir mit Video: Es ersetzt das vage Gefühl durch etwas, das man gemeinsam anschauen, benennen und Schritt für Schritt verändern kann, ohne dass jemand bewerten muss.

  • Arme überwiegend verschränkt oder an Karten festgehalten
  • Blick am Satzende häufig nach unten oder oben
  • Stimme und Gliederung dagegen bereits klar

Kleine Übungen statt großer Umstellung

Wir haben Daniel nicht aufgefordert, plötzlich ausladend zu gestikulieren. Das hätte unnatürlich gewirkt. Stattdessen begannen wir mit einer einzigen Frage: Wo sind die Hände, wenn ich nichts mit ihnen tun muss? Er übte eine ruhige Grundstellung, bei der die Arme locker neben dem Körper hängen und die Hände sich bei Betonungen von selbst öffnen dürfen.

Beim Blickkontakt gaben wir ihm eine einfache Regel: einen Gedanken zu Ende sprechen, dabei eine Person ansehen, dann zur nächsten wechseln. Er übte das zunächst mit Stühlen, dann mit anderen Teilnehmenden. Anfangs fühlte es sich für ihn übertrieben an. Auf der Aufnahme wirkte es dagegen schlicht aufmerksam. Diese Differenz zwischen innerem Empfinden und äußerem Eindruck ist ein Kernpunkt der Arbeit an der Körpersprache und erklärt, warum Wiederholung vor der Kamera so hilfreich ist.

Der Rückschlag in der vierten Woche

Es lief nicht geradlinig. In der vierten Woche berichtete Daniel, er habe in einer echten Besprechung wieder die Arme verschränkt und sich hinterher darüber geärgert. Ich habe ihm gesagt, was ich allen Teilnehmenden sage: Alte Muster kehren in Stresssituationen zurück, und das ist normal. Entscheidend ist, dass er es bemerkt hat.

Wir haben daraufhin eine kurze Routine entwickelt, die er unauffällig vor Besprechungen nutzen kann: beide Füße bewusst auf den Boden stellen, einmal tief ausatmen, die Schultern sinken lassen. Mehr nicht. Nach zwei weiteren Sitzungen erzählte er, dass er die Verschränkung nun meist schon im Ansatz bemerkt und löst. Ein Ergebnis, das sich nicht versprechen lässt, aber durch regelmäßiges Üben für viele Teilnehmende erreichbar wird.

Was sich für Daniel verändert hat

In der letzten Videoaufnahme stand Daniel offen und ruhig, die Hände unterstützten seine Aussagen, ohne sie zu überlagern. Sein Blick blieb bei einzelnen Personen, bis ein Gedanke abgeschlossen war. Er selbst sagte danach, er fühle sich nicht verkleidet, sondern einfach etwas präsenter. Das war für ihn das wichtigste Kriterium.

Eine Rückmeldung aus seinem Team hat er mit uns geteilt: Man höre ihm jetzt lieber zu, weil er einen ansehe, während er spreche. Ich möchte daraus keine Regel für alle ableiten. Jeder Auftritt ist anders, und Daniels Weg war seiner. Aber sein Fall zeigt, wie viel in der Körpersprache schon durch wenige, bewusst geübte Veränderungen in Bewegung kommen kann.

  • Offene Grundhaltung auch im Stehen vor Sitzenden
  • Blickwechsel nach jedem abgeschlossenen Gedanken
  • Eine kurze Erdungsroutine vor wichtigen Terminen

Daniels Geschichte erinnert mich daran, dass Körpersprache kein Schauspiel ist. Es geht darum, das, was jemand ohnehin denkt und kann, sichtbar werden zu lassen. Mit Video, kleinen Übungen und Geduld gelingt das oft Schritt für Schritt. Wenn Sie in diesen Herbstwochen merken, dass Ihre Haltung Ihren Worten im Weg steht, ist genau das ein guter Anlass, sie einmal in Ruhe anzuschauen.

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Zur Person

Katharina Brandt

Dozentin für Redekunst

Katharina begleitet seit vielen Jahren Teilnehmende beim Aufbau und Vortrag von Reden. Sie arbeitet mit klaren, praxisnahen Übungen.