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Selbstpräsentation

Kernbotschaft: Was Fachleute damit meinen und wie Sie sie finden

Der Begriff Kernbotschaft fällt in jedem Präsentationskurs. Dieser Beitrag erklärt in einfachen Worten, was darunter fällt und wie Sie Ihre eigene in einem Satz formulieren.

Marlene Voss

4 Minuten Lesezeit

Kernbotschaft: Was Fachleute damit meinen und wie Sie sie finden

Was mit Kernbotschaft gemeint ist

In der Kursarbeit begegnet mir kaum ein Wort so oft wie die Kernbotschaft. Gemeint ist der eine Gedanke, den Ihr Gegenüber nach dem Gespräch mitnehmen soll, auch wenn es sich an alles andere nicht mehr erinnert. Es ist keine Berufsbezeichnung und kein Werbespruch, sondern eine Aussage über Sie: wofür Sie stehen, was Sie beitragen und warum das für Ihr Gegenüber von Belang ist.

Viele Teilnehmende bringen zu Beginn eine Aufzählung mit: Stationen des Lebenslaufs, Zuständigkeiten, Titel. Das ist nützliches Material, aber noch keine Botschaft. Eine Botschaft entscheidet sich für eine Richtung und lässt bewusst vieles weg. Genau diese Auswahl wirkt ruhig und sicher, denn wer nicht alles erzählen muss, braucht sich auch nicht zu rechtfertigen.

Warum ein einziger Satz genügt

Zuhörer behalten wenig, besonders in Gesprächen mit mehreren neuen Gesichtern. Ein Satz lässt sich merken, wiederholen und weitererzählen. Wenn eine Kollegin später gefragt wird, wer Sie sind, soll sie ihn nahezu wörtlich wiedergeben können. Das gelingt nur, wenn er kurz ist und ein konkretes Bild erzeugt, nicht eine Sammlung von Eigenschaften.

Ein weiterer Grund liegt bei Ihnen selbst. Wer seinen Satz kennt, hat im Gespräch einen festen Punkt, zu dem er zurückkehren kann. Gerät eine Vorstellungsrunde aus dem Takt oder kommt eine unerwartete Frage, sortiert der Satz die Gedanken. Nervosität verschwindet dadurch nicht, aber sie hat weniger Raum, weil Sie wissen, was Sie sagen wollen.

So gehen wir im Kurs vor

Wir beginnen mit Rohmaterial. Sie notieren, womit Sie sich täglich befassen, was Kolleginnen und Kunden an Ihnen schätzen und welche Aufgabe Sie am liebsten übernehmen. Danach streichen wir gemeinsam, bis drei Aussagen übrig sind, und prüfen, welche davon für Ihr Gegenüber den größten Nutzen hat. Aus ihr wird ein erster Entwurf, den Sie laut sprechen.

Das laute Sprechen ist entscheidend. Was auf Papier elegant aussieht, klingt gesprochen oft sperrig. In der Live-Sitzung hören die anderen zu und sagen, was bei ihnen angekommen ist. Mit diesem Feedback schleifen Sie den Satz, bis er zu Ihrer Stimme passt und Sie ihn ohne Zettel sagen können, ohne ihn auswendig aufzusagen.

  • Rohmaterial sammeln, ohne zu bewerten
  • Auf eine Aussage eingrenzen
  • Laut sprechen und Rückmeldung einholen

Typische Stolpersteine

Am häufigsten sehe ich Sätze, die aus Fachbegriffen bestehen. Sie sind für die Branche klar, für ein gemischtes Publikum aber leer. Prüfen Sie, ob eine Person außerhalb Ihres Fachs sofort versteht, was Sie tun. Wenn nicht, ersetzen Sie das Wort durch eine kurze Beschreibung der Wirkung Ihrer Arbeit.

Der zweite Stolperstein ist Bescheidenheit, die sich als Vorsicht tarnt: Ich unterstütze ein bisschen bei verschiedenen Dingen. Solche Formulierungen lassen Sie kleiner wirken, als Sie sind. Ehrlich und selbstbewusst heißt, das zu benennen, was Sie tatsächlich tun, ohne zu übertreiben. Der dritte Fehler ist ein Satz, der nur für einen Anlass gilt und im Alltag nicht trägt.

  • Fachjargon, den niemand außerhalb des Fachs kennt
  • Abschwächende Wörter wie ein bisschen oder eigentlich
  • Ein Satz, der nur für einen Anlass passt

Aus einem Satz wird ein Gespräch

Die Kernbotschaft ist kein Vortrag, sondern ein Einstieg. Sie sagen Ihren Satz und lassen eine Pause, in der das Gegenüber nachfragen kann. Aus dieser Nachfrage entsteht das eigentliche Gespräch, in dem Sie Beispiele erzählen und Details ergänzen. Wer den Satz sofort mit weiteren Erklärungen überdeckt, nimmt dem anderen die Möglichkeit, Interesse zu zeigen.

Im Kurs üben wir deshalb zwei Fassungen: eine ganz kurze für Begegnungen im Stehen, eine etwas längere für Vorstellungsrunden und Bewerbungsgespräche. Beide folgen demselben Gedanken, damit Sie nicht zwei verschiedene Personen darstellen. Ruhige Atmung und ein offener Blick gehören dazu, doch beides entsteht leichter, wenn der Inhalt feststeht.

Ihr Entwurf für diese Woche

Nehmen Sie sich in diesen Herbstwochen zwanzig Minuten und beantworten Sie schriftlich drei Fragen: Wem helfe ich? Was verändert sich durch meine Arbeit? Woran würde mich jemand erkennen? Verbinden Sie die Antworten zu einem Satz mit höchstens zwei Nebensätzen und lesen Sie ihn laut vor, am besten vor einer vertrauten Person.

Achten Sie darauf, wo Sie stocken. Dort steckt meist ein Wort, das nicht zu Ihnen gehört. Tauschen Sie es aus und sprechen Sie den Satz erneut. Nach drei oder vier Durchgängen wird er geläufig. Sie müssen ihn nicht perfekt finden, er soll nur ehrlich klingen und sich so anfühlen, als hätten Sie ihn selbst gesagt.

  • Wem helfe ich?
  • Was verändert sich durch meine Arbeit?
  • Woran würde mich jemand erkennen?

Eine Kernbotschaft ist kein Kunstgriff, sondern eine Entscheidung darüber, was von Ihnen im Gedächtnis bleiben soll. Wer sie getroffen hat, spricht in Gesprächen klarer und ruhiger, weil nicht mehr alles gesagt werden muss. Beginnen Sie mit dem Entwurf, sprechen Sie ihn laut und verbessern Sie ihn Stück für Stück. Im Kurs begleiten wir diesen Weg in Übungen und mit persönlichem Feedback.

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Zur Person

Marlene Voss

Dozentin für Auftreten und Etikette

Marlene vermittelt Umgangsformen und Körpersprache für berufliche Situationen. Sie gibt persönliches, wertschätzendes Feedback.